2013 Heiligabend Familiengottesdienst - Weihnachten ist wirklich gefährlich!



Liebe Fest-Gemeinde, liebe Kinder und Erwachsene!

Weihnachten ist ein wohlvertrautes Fest und doch in jedem Jahr ein neues Abenteuer für uns. Wie wird es dies Jahr werden? Was bewegt uns in diesem Jahr, was macht Sorgen, und worauf freuen wir uns? Wem werden wir begegnen? Werden wir wieder etwas von dem inneren Reichtum dieses Festes in unser Leben hinein nehmen, in unsere Familien und Freundschaften und Bekanntschaften?

Jedes Jahr spricht die Botschaft dieses Festes auch hinein in ein jeweils anderes vergangenes Jahr mit seiner eigenen Prägung. Die Weihnachtsbotschaft erneuert sich, weil sie zu uns in immer neue Lebenszusammenhänge hineinkommt.  Ich weiß nicht, was Sie persönlich in diesem Jahr besonders bewegt und beschäftigt hat. Aber ich bin im Vorfeld des Festes über ein paar Dinge gestolpert, die mir etwas Neues über das Fest gesagt haben.

Dieses Jahr ist mir klar geworden, wie gefährlich Weihnachten und Krippenspiele sind. Nein, ich rede jetzt nicht davon, dass ich mir vorhin beim Krippenspiel Sorgen gemacht habe, weil die kleine Hexe, die zwar alles gut machen will, laut Auskunft ihres Raben aber manchmal etwas zerstreut beim Zaubern ist. Ich meine, schwuppsdiwupps, und mein Manuskript oder der Weihnachtsbaum wäre aus Versehen weg – das wäre jetzt nicht so gut gewesen. Aber das ist ja noch mal gut gegangen.

Durch Nachrichten aus England habe ich von einer ganz anderen Weihnachtsgefahr erfahren. Dort wurde wie bei uns ein Krippenspiel geprobt. Nur war das in einem Dorf auf dem Land, und sie hatten für das Spiel einen richtigen Esel, auf dem Maria saß und von Josef nach Bethlehem geführt wurde. Jetzt kommt das Problem: der Besitzer des Esels bestand auf einer Sicherheitsvorschrift, die die Stadt und die Versicherung grundsätzlich für Eselsritte erlassen hatte. Wie bei uns beim Fahrradfahren: Nicht ohne Helm! Ihr könnt Euch und Sie können sich sicher vorstellen, dass das nicht so gut angekommen ist. Die schwangere Maria mit Sicherheitshelm im Krippenspiel.

Mich hat es zum Lachen gebracht, und dann zum Nachdenken.

Nicht ohne Helm? Christentum mit gesellschaftlich verordnetem Sicherheitshelm, damit nichts passiert? Das passt irgendwie zu dem, was man inzwischen an immer mehr Stellen erleben kann.
Christlicher Glaube scheint ja wirklich sehr gefährlich zu sein, wenn ich an manche Reaktionen in letzter Zeit denke. Vor ein paar Wochen gab es diese seltsame Debatte um das Martinsfest. Das Fest erinnert ja an einen bescheiden lebenden und hilfsbereiten Bischof, der seine Habe mit Bedürftigen geteilt hat. Eine Erinnerung an diese christliche Geschichte wurde nun plötzlich als Akt der Diskriminierung all derjenigen hingestellt, die nicht Christen sind. Der Vorsitzende der NRW-Linken, hat sich, damit die vermeintliche Diskriminierung aufhört, für die Abschaffung des Martinsfestes zugunsten eines überkonfessionellen "Sonne-Mond-und-Sterne-Festes"  ausgesprochen. 

Aber Sonne Mond und Sterne teilen nicht ihre Mäntel, und es war nun Mal ein Christ, der Jesus so mit seinem Beispiel folgen wollte. Darf man sich daran nicht erinnern? Kitas in Hessen, Bochum und anderswo haben die Erinnerung an St. Martin bei ihren Laternen-Umzügen bereits abgeschafft.

Ich staune. Wir haben in diesen Zeiten ein paar richtig heftige Probleme. Jeder kennt die Stichworte Investmentbank-Krise, Europa-Schulden, unsichere Rentenzukunft, Klimawandel, Überwachungs-Exzesse, immer neue Kriege und Anschläge und so weiter. Die Liste ist lang. Aber während das alles ungehindert und ungelöst seinen Gang geht, ohne dass es die entscheidenden Leute groß aufzuregen scheint, sollen wir uns dringend darum kümmern, Diskriminierung durch Erinnerung an positive christliche Traditionen zu vermeiden? 

Auch rund um das Weihnachtsfest hat in vielen Ländern schon ähnliches begonnen. Um niemanden zu diskriminieren, wird es oft nicht mehr Christmas, also Christfest genannt, und man sagt nicht mehr Frohe Weihnachten (Merry Christmas), sondern Frohe Jahreszeit (Happy season oder merry seasons greetings)! Was feiern wir denn dann eigentlich? Ist nicht immer irgendwie Jahreszeit? Soll mich Jahreszeit jetzt ganz froh machen? Und wenn, warum gerade diese?

Beim zweiten Nachdenken dämmert es mir: ja, das ganze Christentum ist wirklich gefährlich! Und zwar, seit Jesus geboren wurde. Es ist gefährlich für alle, die ungehindert ihren Geschäften auf Kosten anderer nachgehen wollen oder die Menschen in ihre Ideologien zwängen. Es ist gefährlich für alle, die nicht an Gottes Willen und Gottes Maßstäbe von Gut und Böse erinnert werden wollen. Menschen, die immer machen wollen, was ihnen gerade in den Kram passt, mögen so etwas gar nicht. Das neu geborene Jesuskind war schon damals eine Herausforderung für das Machtverständnis des Königs Herodes und seiner Nachfolger und für das allmächtige und allgegenwärtige römische Reich. Und diese Jesuskind ist es heute um so mehr.

So gesehen ja: Weihnachten ist eine Herausforderung Gottes! Mit der Macht der Liebe stellt Gott durch Jesus all das in Frage, was Menschen knechtet und wie Hamster sinnlos im Rädchen laufen lässt, und auch all das was sie gierig und egoistisch und rücksichtslos macht. Den Sicherheitshelm brauchen dann anscheinend nicht wir, die wir diese Botschaft mit offenen Ohren hören, sondern diejenigen, die mit allen Mitteln ihre Ohren davor verschließen wollen.

Für alle die aber, die im Dunkeln sitzen, weil sie sich Sorgen machen oder Beziehungsstress haben oder sich nach einem erfüllteren Leben sehen, für alle die scheint ein helles Licht und über denen, die für ihr Leben Orientierung suchen, scheint es hell. So hat es der Prophet Jesaja angekündigt. Für die, die die Macht der Liebe Gottes gern in ihr Leben hinein lassen, die ja zu Weihnachten gefeiert wird, gibt es guten Grund zum Feiern unterm Weihnachtsbaum, genau wie für die armen Hirten, die Weisen und die strahlenden Engel in der Weihnachtsgeschichte (Lk 2,10-14), die uns sagen:  

Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;  denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.  Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. 
Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:  14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.

Die kleine wohlmeinende Hexe in unserem Krippenspiel eben hat verstanden, wo die Grenze ihrer Zauberkunst lag und wieso das Kind in der Krippe mehr zum Guten wendet als jeder Zauber mit ihrem Zauberstab.

Lasst uns freuen, dass wir jedes Jahr zu Weihnachten diese andere Art von Macht feiern können, die von Gott ausgeht, die Macht der Liebe, die der neugeborene Jesus in unerhörter Klarheit in unser Leben gebracht hat. 

Jahreszeit ist immer irgendwie. Aber heute rufe ich Ihnen mit großer Freude zu: 
Frohe Weihnachten!                         Amen.