„Einen Gott, der mich liebt ...“


 ("12-Minuten-Gottesdienst" in der City-Kirche Barmen am 8.3.)

Die närrischen Tage sind zu Ende und seit Aschermittwoch hat die vor-österliche Passions- und Fastenzeit begonnen. Zuvor wurde hier und da kräftig Karneval gefeiert. Nicht nur Kinder haben ihren Spaß, sich zu verkleiden, in Rollen zu schlüpfen, spielerisch „ein Anderer/ eine Andere“ zu sein und das Gesicht hinter Masken zu verstecken. Allerdings geschieht das Sich-Verstecken hinter Rollen, Verkleidungen und Masken nicht nur zu Karneval: Wir Menschen tun es wohl ständig und überall auch im Alltag unseres Lebens, 365 Tage im Jahr. Wir zeigen oft nicht unseres wahres Gesicht. Wir möchten nicht erkannt und durchschaut werden. Wir spielen unsere Rollen und verbergen oft, was dahinter ist.
Im Psalm 139 heißt es: „Gott, Du erforschest mich und kennst mich. Ich sitze oder stehe auf, ich liege oder gehe – Du weißt es und Du hast mich im Blick. Meine Gedanken verstehst Du von ferne und auch alle meine Worte kennst Du ...“

Ist das eine bedrohliche Vorstellung, dass es vor Gott kein Versteckspiel gibt, dass Er hinter alle Masken und Verkleidungen schaut, hinter alle Rollen sieht, die wir spielen?„Der liebe Gott sieht alles!“ war früher – mit drohendem Zeigefinger - ein übler pädagogischer Kniff. Aber auch in uns Erwachsenen mag es noch Reste eines solchen bedrohlichen Gottesbildes geben, dass uns nicht tröstet, sondern schreckt.
Vorletzten Dienstag habe ich mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden den Film „Luther“ gesehen. Er beginnt mit einer Gewitterszene, wo es bedrohlich kracht und blitzt und donnert und Luther, in Furcht um sein Leben, stolpert und fällt auf dem Weg und schwört Gott, ein Mönch zu werden, wenn es das überlebt. In der zweiten Szene ist Luther ein Mönch und hält seine erste Messe. Er steht vor dem Altar, schaut in der imposanten Kirche nach oben und hält zitternd den Kelch. So sehr fürchtet er die Heiligkeit Gottes, dass in seinem Zittern der Kelch überschwappt und er den Wein verschüttet.

Hinterher – so die dritte Szene – hadert er in seiner Mönchszelle mit Gott, fühlt sich als Versager, weint und schreit. Sein Beichtvater tritt in die Zelle und sagt: „Martin, Du bist zu streng mit Dir. Was ist Dein Problem?“ Und Luther sagt den Schlüsselsatz: „Ich will einen Gott, der mich liebt und den ich lieben kann!“ … Und der Beichtvater reagiert, in dem er ihm ein Kreuz in die Hand drückt und sagt: „Schau auf Christus! Und sprich mir nach: Ich bin Dein und Du hast mich erlöst!“ Und nach dieser Szene wird aus dem gequälten, angsterfüllten Martin Luther ein Mann, der mit Gott nicht mehr hadert und keine Angst mehr vor ihm hat …
„Ich will einen Gott, der mich liebt und den ich lieben kann!“ sagt Luther. Was für ein schöner Satz. Vielleicht ist es auch Ihr Satz. Bei all dem, was Sie an diesem Samstagmorgen mit in diese Kirche gebracht haben – an Bedrückung, Ängsten und Kummer. Und an Vorbehalten gegen Gott.
Gott sieht und kennt uns, wie der Psalm 139 sagt. Unsere Masken-, Verkleidungs- und Rollenspiele sind bei ihm nichts. Aber das ist nichts zum Fürchten, sondern zum Aufatmen.
Denn Gott schaut uns mit den Augen der Liebe an. Und vielleicht nehmen Sie auch gleich nur diesen einen Satz mit in den Tag und in ihr Leben:
Gott schaut mich mit den Augen der Liebe an!
Dieser Satz – behaupte ich – kann Wunder wirken.

Thomas Corzilius