Zurück in die Zukunft

Liebe Gemeinde!

Ich beginne meine Predigt heute mal mit einer kurzen Plauderei über einen Film und frage: Kennen Sie, kennt Ihr, den ersten Teil der Film-Trilogie „Zurück in die Zukunft“?
Es geht darin um die Zeitreise des Jugendlichen Marty McFly, der die Bekanntschaft mit einem verrückten Professor macht – und mit Hilfe seiner erfundenen Zeitmaschine landet der junge McFly zurück im Jahr 1955.
Dort in einer Kleinstadt angekommen, verhindert er unbeabsichtigt, dass seine Eltern sich begegnen und sich ineinander verlieben – stattdessen verliebt sich seine Mutter in ihn. Marty erkennt, dass er nun dringend dafür sorgen muss, dass seine Eltern zueinander finden, aber dieses Vorhaben erweist sich als extrem schwierig, denn sein Vater ist als Jugendlicher im Jahr 1955 der typische Verlierer, dem es völlig an Selbstbewusstsein mangelt … aber am Ende kommen McFlys Eltern, durch die Hilfe ihres zeitgereisten späteren Sohnes zusammen, und sein eigenes, zukünftiges Dasein ist damit gerettet.

Es ist ein witziger, unterhaltsamer Film voller Kuriositäten – etwa, wenn McFly 1955 seinen Onkel als Baby im Laufstall hinter den Gitterstäben sieht, von dem er schon weiss, dass dieser später lebenslang im Gefängnis hinter Gittern sitzt.

Oder wenn er eine Band farbiger Musiker, die Tanzmusik spielen, zufällig den Rock'n Roll beibringt, den es doch 1955 noch garnicht gibt und den er - sozusagen aus der Zukunft und ohne es zu wissen – seinem Erfinder namens Chuck Berry zu Gehör bringt …

„Zurück in die Zukunft“ spielt jedenfalls mit den verschiedenen Zeitebenen, in denen unser aller Leben verläuft: Mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Und lässt uns fragen, wie sich unser Heute verhält zum Gestern und zum Morgen …

Auf den Film bin ich gekommen im Hören auf und im Nachdenken über den Wochenspruch für die kommende Woche, über den ich heute predigen möchte. Denn da geht es auch um das Heute in seinem Bezug zu Gestern und Morgen … und dem möchte ich mit Ihnen in der Predigt gerne nachgehen.

Er steht im Hebräerbrief, Kapitel 3, Vers 15 und lautet: „Heute, wenn Ihr Gottes Stimme hören werdet, so verschließt nicht Euer Herz!“

Heute also – nicht gestern oder morgen – geht es darum, Gottes Stimme zu hören und sich ihr zu öffnen. „Heute, wenn Ihr seiner Stimme hören werdet, so verschließt nicht Euer Herz!“

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Der Zusammenhang dieses Wochenspruches ist der Hebräerbrief – ein Trost- und Ermutigungsschreiben an angefochtene Christen, geschrieben im zu Ende gehenden 1. Jahrhundert.

Die Zeit ist fortgeschritten, die ersten Jahrzehnte nach Jesu Erdenleben, die Lebzeiten der Apostel und der ersten Generation von Zeugen ist vorbei – und im Heute, in der Gegenwart der Adressaten des Hebräerbriefes, erleben die Christen Widerstand, Zweifel, Müdigkeit, Verfolgung und viel Unsicherheit, wie denn das Morgen und das Übermorgen wohl aussieht … Wie werden die Dinge weiter ihren Gang gehen? Kommt der Herr, wie zunächst erwartet, doch nicht wieder?

Man lebt den Glauben an Jesus, der das Leben ist, aus den Quellen zurückliegender Jahrzehnte und fragt nach dem Morgen – in einer schwierigen Gegenwart.

Und dahinein möchte der Hebräerbrief mit seinen 13 Kapiteln Mut machen zum Durchhalten, zum Vertrauen und zur Lebendigkeit.

Und so steht unmitelbar vor unserem Wochenspruch ein Abschnitt, der Bezug nimmt auf die Wanderung des Volkes Gottes durch die Wüste, nachdem sie Gott aus der Sklaverei geführt hat und das Gelobte Land doch nicht in Sicht ist – und sie nun feststecken in der Gegenwart von Sand und Wüste, Hitze nd Kälte, Hunger und Durst und vielen Herausforderungen.

Da murrten sie heißt es und träumten – was für eine Ironie im Blick auf Frondienst und Sklaverei, der sie gerade entkommen waren, von den herrlichen alten Zeiten beim Pharao und von den „Fleischtöpfen Ägyptens“ … und an ein gutes, erfülltes, gesegnetes Morgen wollten und konnten sie nicht mehr glauben … Obwohl sie doch doch gerade in der Wüste Erfahrungen der Nähe ihres Gottes machten.

Und in Analgie dazu sagt der Verfasser des Hebräerbriefes: In Eurem Hier und Jetzt zwischen Gestern und Morgen macht es nicht so, wie das Volk Israel, sondern heute, wenn Ihr Gottes Stimme hört, verschließt nicht Euer Herz.

Macht nicht dicht! Stellt Euch nicht taub! Haltet Euch nicht die Ohren zu! - Sondern hört seine Stimme heute und hier …

Doch was sagt diese Stimme?

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Wenn wir vor Jahren Jemanden auf dem Telefon angerufen haben und zwar über Festnetz, konnten wir wissen, wo der Angerufene sich befindet – denn er hatte ja einen festen Anschluss an einem festen Ort oder wir wussten zumindest, wo irgendwo das Telefon am anderen Ende der Leitung zu klingeln hatte.

Heute in unseren mobilen Handy-, Smartphone- und sonstwas-Zeiten wuselt und wimmelt es bunt durchs Leben und wenn man telefoniert von unterwegs nach irgendwo, lautet eine der häufigsten Fragen: „Du, wo bist Du gerade?“ Und die Rückfrage: „Und Du?“

Jetzt gerade dagegen scheint die Frage zunächst simpel, wenn ich Sie Frage: Wo sind Sie gerade? - Na hier doch, an diesem Sonntagmorgen, zwischen 10 und 11, auf einem Stuhl in der Unterbarmer Hauptkirche …

Aber sind Sie wirklich gerade da, wo Sie sich vorfinden? - Ich meine diese Frage tiefsinniger und grundsätzlicher als sie klingt: Denn Fakt ist, dass wir alle – taugaus, tagein und rund um die Uhr – selten tatsächlich da sind, wo wir gerade sind.

Physisch schon – aber innerlich, mit dem was uns umtreibt und beschäftigt und besetzt hält, mit Herz und Seele, Kopf und Gefühl sind wir selten, manchmal nie im Jetzt, im Hier und im Heute. Wir mögen unsere Dinge tun, unseren Aufgaben nachgehen, unsere Alltagsdinge verrichten – aber tatsächlich sind wir bei Vorhin, im Gestern, in unzähligen Dingen der Vergangenheit und des Gewesenen. Oder wir sind schon beim Gleich und Nachher, im Morgen und Sorgen, beim Planen und Wünschen und Fürchten …

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Wenn der Wochenspruch uns in diesem Gottesdienst uns nun zuruft: „Heute, jetzt gerade, wenn Ihr Gottes Stimme hört, dann verschließt nicht Euer Herz! - dann hat das Hören darauf wesentlich damit zu tun, wo wir selbst im Kräftespiel von Gestern, Heute und Morgen eigentlich sind.

Sind wir zu sehr in der Vergangenheit, erreicht uns Gottes Stimme unter Umständen gar nicht, denn in der Vergangenheit können wir uns verlieren in Wehmut um das tatsächlich Unwiderbringliche – oder im Zorn über das Nicht-Überwundene.

Und wenn wir zu sehr schon heute die Zukunft vorwegnehmen, festlegen, kontrollieren wollen – dann verpassen wir die Erfüllungen und auch Aufgaben, dessen, was heute ist – kommen nicht raus dem Zittern und Zagen, der Schlaflosigkeit und den zermürbenden Ängsten – oder reiben uns immer wieder an dem, was wir uns eigentlich zuvor anders gedacht haben …

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Auch die Bibel weiß und lehrt uns dies, dass alles seine Zeit und Stunde hat. Dass einerseits die Vergangenheit ihren Sinn und ihre Bedeutung hat und auch das, was kommt und worauf wir blicken sollen.

Immer wieder aber ist es auch in der Bibel die Gegenwart, das Heute, Hier & Jetzt, als der Ort, wo Gott, der das Leben ist, als Leben wahrgenommen werden will.

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Doch was sagt uns Gottes Stimme?

Bitte überlegen Sie an dieser Stelle alle, was Sie mitgebracht haben in diesen Gottesdienst – nach den ersten fünf Wochen dieses noch jungen, neuen Kalenderjahres … nach der vergangen Woche und an der Schwelle zu einer neuen.

Soviele Stimmen gibt es ja, die uns daran hindern zu leben und die uns das Leben verdunkeln:

Stimmen, die uns runtermachen und uns den Mut nehmen, mit: „Das schaffst Du nicht! Das kannst Du nicht! Das darfst Du nicht!“

Stimmen, die uns einschüchtern und Angst machen.

Stimmen, die uns hineinreden an Stellen, wo sie nichts zu suchen haben.

Diese Stimmen können reale Stimmen sein von Menschen, die unsere Gegenwart mitbestimmen. Oder Stimmen aus der Vergangenheit, die immer noch mitreden wollen, aber uns nicht gut tun.

Und immer wieder ist es auch unsere eigene Stimme, die verhindert, dass wir fröhlich, mutig und gelöst unsere Wege gehen, auf Andere zugehen, das Leben anpacken und auch genießen können …

Und bei alldem kommt, wie gesagt, das Heute oft unter die Räder der Vergangenheit oder in eine dunkle Wolke eines bedrohlichen Morgen. Aber es geht um's heute!

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Und die Stimme Gottes, die heute mit uns redet, ist die Stimme des Lebens – die Stimme des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Würde sie von etwas Anderem reden, wäre es nicht die Stimme Gottes.

Es ist die Stimme, die Dir heute vielleicht sagt:

„Fass neuen Mut und komm wieder auf die Beine!“

„Lass Dir vergeben – vergib Dir selbst – und vergib einem Anderen!“

„Guck in den Spiegel und fang an zu lieben, was Du siehst!“

„Lass etwas los, was Dich fesselt und was Dir nicht gut tut!“

„Lege das, was kommen wird und kommen soll, vertrauensvoll in die größeren Hände Gottes!“

Was auch immer es ist, was Gottes Stimme heute zu Ihnen, zu mir, zu Dir sagt: Es ist immer – im Unterschied zu anderen Stimmen – die Stimme des Lebens, der Ermutigung und der Bestärkung!

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„Heute, wenn Ihr Gottes Stimme hört, dann verschließt nicht Euer Herz!“

Sondern spürt seine Nähe, hebt Eure Köpfe und geht neu mit Mut und Zuversicht in die neue Woche und in dieses noch junge Jahr!

Thomas Corzilius