Predigtreihe „Gebet des Jabez“ I

Predigtreihe „Gebet des Jabez“ I
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Liebe Gemeinde,
liebe Tauffamilien!
Gibt es in Ihrer Familie und in Ihrer Familiengeschichte ein „Schwarzes Schaf“?
Einer oder eine, der/die – wie man so sagt – „aus der Art geschlagen“ ist - auf den oder die alle nicht gut zu sprechen sind - der oder die es sich mit allen verscherzt hat?
Auf die Frage nach dem „Schwarzen Schaf“ in der Familie fällt wohl Jedem von uns was ein – aufs Stichwort hin werden vielleicht schon vielsagende Blicke getauscht – uns überkommt sofort ein Anflug von Wut, beim Gedanken an diesen oder Jenen - oder mitleidig ein breites Grinsen …
Und vielleicht denkt, empfindet, meint auch Jemand: „Ja, dieses Schwarze Schaf“ gibt’s auch bei uns – und das bin ich ;-)

Wie angekündigt beginne ich heute morgen meine Predigtreihe über das Gebet des Jabez.
Dieses Gebet steht im hebräischen Teil unserer Bibel, im Alten Testament.
Und in ihm geht es auch um das „Schwarze Schaf“ in einem Familienstammbaum.
Wir werden ein paar Sonntage Zeit haben, dieses Gebet des Jabez zu betrachten und heute Morgen geht es zunächst um einen ersten Zugang und ein erstes Kennenlernen.

Eher unscheinbar und versteckt finden wir das Gebet des Jabez im 1. Chronikbuch 4, 9-10 und wir hören schon beim Lesen heraus, dass „Schwarze Schafe“ nicht dazu verdammt sind, ein Leben lang „Schwarze Schafe“ bleiben zu müssen.

Ein Mann namens Jabez war der Angesehenste unter seinen Brüdern. Nach seiner Geburt hatte seine seine Mutter gesagt: „Ich habe ihn mit Schmerzen geboren“, und deshalb nannte sie in Jabez. Er selbst aber betete zum Gott Israels und sprach: „Segne mich und erweitere mein Gebiet. Steh mir bei und halte Unglück und Schmerz von mir fern!“

Dies ist eine mögliche Übersetzung, andere werden uns noch begegnen.

Jabez“ war im Familienstammbaum also zunächst so etwas wie das „Schwarze Schaf“ der Familie und mit einer Art Geburtstrauma fing es an - „Unter Schmerzen geboren“.
Sein Namensgebung bleibt ein Leben lang mit der Erinnerung daran verbunden.
Denn Jabez das heißt auf hebräisch soviel wie „Er macht Schmerzen“ oder „traurig und kummervoll“

Dabei muss man wissen, dass der Name und die Namensgebung in der Welt des Alten Israel nie etwas Beliebiges oder ohne Bedeutungszusammenhang ist!

Überlegen Sie – liebe Eltern und Taufamilien – warum Sie Ihre Jana Jana und ihre Greta Greta genannt haben … Oder warum wir unseren Kindern ihre Namen oder unsere Eltern uns unsere Namen gegeben haben?
Da gibt’s viele Gesichtspunkte – z.B. die Familientraditionen und weil Omas und Opas unbedingt drin vorkommen mussten, heisst ein Siggi vielleicht tatsächlich „Siegfried August Wilhelm“ oder die Ursel „Ursula Margarethe“.
Immer wieder waren und sind es auch Moden – und bei mancher „Helene“ heute klingt ein Schlagerstar mit oder bei manchem „Jerome“ sieht man den Ball schon im Netz ...
Oft aber geht es wohl einfach nach ganz subjektiven Vorlieben oder dem Wohlklang.

Der Name im Alten Testament ist jedenfalls immer untrennbar und wesensmäßig mit dem Menschen selbst verbunden und behaftet ihn sozusagen ein Leben lang.
Der Name ist sozusagen Programm, Identität und lebenslanger Hinweis, wo und wie Jemand einzuordnen ist.

Jabez“ also – das Sorgenkind, das Schwarze Schaf, der schon mit seiner Geburt und der mütterlichen Schwangerschaft Probleme & Schmerzen bereitet hat.
Dessen Lebensanfang unter einem scheinbar ungünstigen Stern stand.
Und der seinen Namen wie einen Stempel bekam und fortan durch sein Leben trug mit der Assoziation von Schmerz und Kummer

Und doch heißt es ja – aller Namensgebung zum Trotz und scheinbar widersprüchlich: „Ein Mann namens Jabez war der Angesehenste unter seinen Brüdern!“
Dabei ist es wichtig zu wissen, dass der Textzusammenhang im 1. Buch Chronik zu den für uns langweiligsten Passagen der Bibel gehört: 9 Kapitel lang werden nämlich nur Namen aneinandergereiht und aufgezählt – Name an Name, ganze Geschlechtsregister von Adam bis Abraham, ganze Familienstammbäume der Stämme Israels … Das liest sich so spannend wie 9 Seiten hintereinander aus dem Telefonbuch.

Aber in dieser ganzen Auflistung und Aneinanderreihung scheint es dem Geschichtsschreiber wichtig, mittendrin innezuhalten und zu signalisieren: „Hier muss ich unterbrechen! Hier war einer, zu dem unbedingt noch etwas hinzugefügt werden muss! Denn dieser Jabez – dessen Name nichts Gutes signalisiert – war in Wahrheit einer, der den Anderen voraus war, ein Besonderer und ein Gesegneter!“

Und der Grund dafür – damit sind wir beim Inhalt der heute beginnenden Predigtreihe – liegt in diesem Gebet, das er zu seinem fortwährenden Gebet gemacht hat, nämlich:
Segne mich und erweitere mein Gebiet.
Steh mir bei.
Und halte Unglück und Schmerz von mir fern!“

In den USA und in anderen Teilen der Welt war und ist dieses „Gebet des Jabez“ in frommen Kreisen seit Jahren so etwas wie ein „modischer Renner“ geworden.
Bruce Wilkinson – ein us-amerikanischer Pastor, Redner und Buchautor – hat dazu ein Buch geschrieben „Das Gebet des Jabez“ mit dem Untertitel „Durchbruch zu einem gesegneten Leben.“ und ist in großer Auflage immer wieder übersetzt und weltweit als Bestseller in Umlauf gekommen.

Mich reizt es deshalb, darüber zu predigen, weil jeder Satz eine Menge Potential hat.
Segne mich – erweitere mein Gebiet- Steh mir bei – halte Unglück und Schmerz von mir fern!“
Aber weil man es auch leicht missbrauchen und missverstehen kann als „Wohlstandevangeliums“ und als naives, egozentrisches, magisches Gebet – so nach dem Motto:
Es gibt da den Schlüssel zu Wohlstand und Wohlergehen – zur Abwechslung mal nicht nach Scientology-Art oder mit esoterischem Zauber, sondern auf christliche Art. Und hier hast Du ein Mantra, dass Dir die Türen öffnet zu Sieg und Erfolg!“
Genauso nämlich zieht das Buch von Wilkerson und das Gebet des Jabez seine Kreise.

Ich will es anders und differenzierter angehen – Sonntag für Sonntag.
Und beschränke mich heute einleitend zunächst auf Jabez selbst und seine Namensgebung …

Und da liegt der Bogen zu uns zunächst in der Frage, wie offen oder wie scheinbar festgelegt wir mit uns selbst und mit Anderen durch dieses Leben gehen.

  • Sind es unsere Gene und ist es unsere DNA-Bausteine, die schon von vornherein bestimmen, wo es für uns langgeht?
  • Sind es die Sterne über uns, Tierkreiszeichen und Horoskope, die unsere Wege lenken und unsere Wege bestimmen?
  • Hat jeder von uns ein „Karma“, das aus vorherigen Leben resultiert und uns zwingt, bestimmte Dinge im Guten und im Schlechten zu durchleben oder zu durchleiden?
  • Und welche Rolle spielen unsere frühkindlichen Erfahrungen, unsere ersten Prägungen, unsere Umwelt bei der Frage, wer wir sind und werden?

Das sind tiefe Fragen: Warum bin ich, was ich und wie ich bin?
Und welche Handlungsspielräume habe ich auf meinem Lebensweg?

Jabez, dessen Gebet uns weiter beschäftigen wird, ist heute zunächst einmal Anlass, uns dieser Frage zu stellen.
Denn der „unter Schmerzen Geborene“, dem schon „Schmerz & Kummer“ namensmäßig mit in die Wiege gelegt wurden, ist am Ende „der Angesehenste unter seinen Brüdern“.
Und sein Gebet um ein gesegnetes Leben, wie immer es im Einzelnen zu verstehen sein wird, ist erhört worden.

Wenn man so will, verbindet sich mit ihm – im biblischen Rahmen – die gute Botschaft:
  • Du bist in Deinem Lebenslauf nicht so festgelegt und festgenagelt, wie es vielleicht oft den Anschein hat –für Dich selbst und auch für Andere, die Dich beurteilen, Dir Noten geben, Dich in Schubladen stecken!
  • Du darfst Dich freier fühlen und freier sehen, als Du das oft tust, wenn Du Dir Dein Leben anguckst oder in den Spiegel schaust und denkst: „Was kann ich nur tun? Und was soll aus mir werden?“
  • Und nicht die Sterne, nicht Deine Herkunft, nicht Andere oder Umstände oder Namen, die Du bekommst, sollen das letzte Wort über Dich sprechen – auch wenn es oft so aussieht!

Bitte überlegen Sie einen Augenblick, wie oft das geschieht – bewusst oder unbewusst – dass wir uns selbst und Andere festlegen, abstempeln … und uns damit Lebensräume, Segenserfahrungen und Möglichkeiten des Gelingens & der Erfüllung verbauen!

So bin ich nun mal!“
Die wird sich nie ändern!“
Von dem ist doch nichts Anderes zu erwarten!“
Das wird mir nie gelingen!“
Ich hab nichts anderes erwartet ...“
Wie oft gehören solche Sätze und Gedanken zu unserem Leben.
Und wie nötig ist es immer wieder, dass solche Sätze und Gedanken aufgebrochen werden durch Erfahrungen, dass der Segen Gottes nicht nur im Leben des Jabez, sondern auch bei uns und unter uns zum Tragen kommt!

Ein Mann namens Jabez war der Angesehenste unter seinen Brüdern. Nach seiner Geburt hatte seine seine Mutter gesagt: „Ich habe ihn mit Schmerzen geboren“, und deshalb nannte sie in Jabez. Er selbst aber betete zum Gott Israels und sprach: „Segne mich und erweitere mein Gebiet. Steh mir bei und halte Unglück und Schmerz von mir fern!“

Für heute nehmen wir, Sie und ich, bitte also erst einmal mit, dass Gottes Segen über unserem Leben uns frei machen möchte von allen falschen Festlegungen.

Und egal welche Namen wir unseren Kindern geben oder uns unsere Mütter und Väter gegeben haben – die Taufen von Greta und Jana und unsere eigene Taufen sind
letztendlich der ritualisierte Zuspruch und das Sakrament dieser Wahrheit, das Gott zu Jedem von uns sagt:
Ich will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein!“
Wie Jabez.

Thomas Corzilius