"DAS BILD HÄNGT SCHIEF!"



"DAS BILD HÄNGT SCHIEF!"



Eine gereimte Predigt zum Sonntag vor der Passionszeit/Karneval

Vor Jahren mal im Fernsehn lief

ein Sketch, der hieß: „Das Bild hängt schief!“

Der Sketch , der ist von Loriot

und – hört gut zu – der Sketch geht so:



Ein Mann kommt rein, betritt ein Zimmer

(s' fängt harmlos an, doch bald wird’s schlimmer)

er sieht ein Bild, das Bild hängt schief

das ärgert ihn, und zwar ganz tief

so steht er auf, will's gerade rücken

muss sich dabei zum Sofa bücken

Das Bild fällt runter, ach Du Schreck!

So muss erstmal das Sofa weg

Doch kaum kriegt er das Bild zu fassen

stößt er den Tisch um, mit den Tassen

er dreht sich um, fällt auf die Nase,

Dabei kippt eine Blumenvase

auch ein Regal fällt krachend runter

so wird die Sache immer bunter

zum Schluss fällt die Gardinenstange

und auch der Vorhang hängt nicht lange …

Kurzum: Er schafft's (-gewollt mitnichten!-)

ein Riesenchaos anzurichten!



„Das Bild hängt schief!“ könnt man auch denken

wenn wir nun unsre Ohren lenken

auf Gottes Wort für diesen Morgen:

Auf Martas Fleiß und ihren Sorgen.



Denn Jesus machte einmal Rast

und war bei ihr im Haus zu Gast

worauf sie schnell zur Küche schreitet

und ihm das Essen zubereitet

zuvor räumt sie noch hier und dort

es soll ja schön sein – hier vor Ort!

Und während sie so voll im Stress

verhält sich die Maria kess

und scheinbar frech und unberührt

weil sie so gänzlich ungeniert

zu Jesu Füßen sitzt und lauscht

die Arbeit gegen's Nichts-Tun tauscht



Da platzt der Marta doch der Kragen:

Wie kann Maria es bloß wagen,

Lässt mich allein den Job hier machen

und hält sich raus aus allen Sachen!

Sitzt da, wie auf ner grünen Wiese,

und ich krieg hier die dicke Krise!



Doch Jesus sagt: Lass sie hier sitzen

und kräftig ihre Ohren spitzen!

Sie hat das gute Teil erwählt

und tut jetzt das, was gerade zählt!

Drum gräm Dich nicht, setz Dich dazu

und lass Dein Schwesterherz in Ruh …



Nun denk ich mir, dass wer das hört

sich hier zunächst mit Recht empört:

„Das Bild hängt schief!“ - Das kann nicht sein

Rück es zurecht! Das ist gemein!

Die Marta rackert, macht und tut

Maria nicht – das ist nicht gut.



Doch um das Bild zurechtzurücken

muss man ein bisschen tiefer blicken:

Denn kurz zuvor erzählt der Lukas

ein andres Gleichnis, jeder kennt das

Das ist ne rechte Tat-Geschichte

und wechselt schnurstracks die Gewichte

Denn da sagt Jesus: Komm, packt an

und seht auf diesen armen Mann

der an dem Wegrand hilflos liegt

und scheinbar keine Hilfe kriegt!

Zwei Fromme gehn an ihm vorbei

denen der Arme einerlei

Erst als der Samariter kam

sein Schicksal eine Wende nahm

Der hilft und sorgt und hat Erbarmen

und zeigt sich gnädig mit dem Armen



Geht hin und macht es ebenso!

Dann ist auch Gott im Himmel froh

sagt Jesus also kurz zuvor

und öffnet damit weit das Tor

für gute Werke, gute Taten

auf die soviel Bedürft'ge warten -

Und nicht für's faul und träge sein! - -

Ich glaub: Die Marta fand das fein

Sie sagt zu Jesus: So ist's gut!

So eine Rede macht mir Mut!

Denn nur wer anpackt und ist tüchtig

der macht es gut, der macht es richtig!



Doch Vorsicht, wenn Maria nun

erscheint als Vorbild für Nichts-Tun

für Faulheit, Trägheit, ich bleib sitzen

und lasse mal die Andern schwitzen!

Das Faultier und der Siebenschläfer

der faule Hund, der lahme Käfer

sind keine heil'gen Tiersymbole

und der Applaus und das Gejohle

wenn Andre schwitzen, Andre rennen

das sollte man nicht christlich nennen!



So las ich selbst beim Dalai Lama:

Das Nichts-Tun ist nicht Euer Karma

Ihr Christen seid ein großer Segen

In Eurem Kümmern und Sich regen

Ihr seid aktiv, zu helfen Allen

Das würde Buddha auch gefallen



Was uns Maria lehren kann

und nicht nur selten, dann und wann

das ist ist das rechte Stille halten

wenn zuviel Stress und Hektik walten



Denn jede Handlung, jedes Tun

braucht wie Maria dieses Ruhn

zu Jesu Füßen, und das Lauschen,

in all dem lauten Alltagsrauschen



Das Reingehn in die Heilge Stille

zu fragen: Was ist Gottes Wille?

Das Hör'n auf Gott und auf sein Wort:

Sonst treiben uns die Sorgen fort



Der Geist wird trüb, die Sinne schwinden

wo wir uns nicht bei Gott anbinden

und uns in Gottes Hände legen

mit unsrem Tun - dass Gottes Segen

uns auffängt, trägt und davor schützt:

Dass unser Viel-Tun doch nichts nützt!



So lernen wir an diesem Morgen:

Dass unser Tun und unser Sorgen

die Stille braucht, das Inne-Halten

und das Vertraun in Gottes Walten



Was Marta tut ist nicht verkehrt -

wenn sie Maria nicht beschwert

und ihr die Nähe Jesu gönnt

und sich dabei nicht selbst verrennt



Schon Luther sagt's auf seine Art:

Der heut'ge Tag, ja der wird hart

Da habe ich ganz viel zu schaffen

und keine Zeit, nur rumzugaffen

Drum brauch in viel Gebet am Morgen

und Stille viel in meinen Sorgen

Nicht anders komm ich durch den Tag

mit seiner Müh und seiner Plag

So will ich Gott fein stille halten

und lass ihn über Allem walten

und hoffe auf ihn allezeit

im Frohsinn und in Traurigkeit



So ham wir wohl zurechtgerückt

das schiefe Bild, so dass sich's fügt

dass beide Frau'n ihr Recht bekommen

und mancher Ärger ist genommen



Die Martas sagen allen Faulen:

Komm in die Puschen, lass das Maulen!

Von nix kommt nix – drum fass mit an

Hier gilt nicht Frau, hier gilt nicht Mann!

Das predigt schon Apostel Paulus,

zuvor bekannt noch als ein Saulus:

In Christus ist kein Unterschied!

Das gilt wohl auch auf dem Gebiet

wo Männer bei Maria sitzen

und Martas in der Küche schwitzen …



Doch nocheinmal, Ihr lieben Leute,

denn das ist unsre Botschaft heute:

Dass die Maria sei geehrt

weil sie uns Ruh'n und Stille lehrt



Dies Evangel'ium macht uns froh

und hier und da auch Loriot.

So schließ ich nun in diesem Rahmen

mit Schmunzeln ...

und mit einem

AMEN

Thomas Corzilius